Alpakalypse
- Schmiedewurm
- 5. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Eine meiner Schwächen ist das Nichtvorhandensein eines Orientierungssinnes. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Und wie kann man am besten versuchen, sich zurechtzufinden? Genau, man bucht einen Alpaka-Spaziergang.
Ich freute mich, frische Luft zu schnappen - in Begleitung. Die Begrüssung auf dem Alpakahof fiel jedoch ernüchternd aus. Eine semi-freundliche Massenabfertigung. Eine kurze Instruktion (lasst die Wiederkäuer nichts vom Boden fressen und folgt dem Plan) und danach drückte sie mir eine Karte und die Zügel in die Hand. Ich bekam ein taubes Tier. Es sollte laut der Mitarbeiterin pflegeleicht sein.
Taub und orientierungslos - das Abenteuer kann beginnen. Voller Tatendrang ging ich...etwa 10 Meter. Bis mein Begleiter entschied, sich zu setzen. Ich kann ihn durchaus verstehen, aber ich habe für einen Spaziergang bezahlt und nicht für ein Protest-Alpaka, das sich nach ein paar Schritten demonstrativ hinhockt.
Also stand ich da. Immerhin konnte ich mich so nicht verlaufen. Bei diesen Tieren handelt es sich um Schwielensohler. Und da er sich seinen Namen verdienen sollte, zog ich an den Zügeln, um ihn zu motivieren, sich ein paar Schwielen zu erlaufen. Da kam der Speichel auch schon geflogen. Auf der Website stand, dass Alpakas nicht spucken. Das sei ein Märchen. Das schien diese grimmsche Kreatur herzlich wenig zu interessieren. "Was du kannst, kann ich schon lange", brodelt es aus mir raus, als mir meine Spucke langsam das Kinn runterlief. In Form nasser Flecken auf meinem Pullover, hinterliessen Speichelfäden stumme Zeugen meiner ausbaufähigen Spoitz-Versuche. Ich holte tief Luft und kramte alles hervor, was meine Atemwege zu bieten hatten. Ein grün schimmerndes Juwel kam zum Vorschein. Jeder Bares für Rares Experte hätte nasse Socken und das nicht nur ob der triefenden Konsistenz. Ich schmetterte den Auswurf direkt vor seine Hufe. Ok, eher auf meine Schuhe, aber das sind Details. Unbeeindruckt von meiner Leistung, regte sich nur dessen Kauleiste. Der Rest des Tieres blieb sitzen.
Etwas später fand mich ein Pärchen. Vielleicht hat die Frau den Stadtmenschen in mir gerochen - Wasser und Seife - als sie hochnäsig erzählte, dass sie eine Pferdeliebhaberin sei und allgemein sehr gut mit Tieren kann. Da ich mir schon so lange die Beine in den Bauch gestanden habe, dass ich bereits wie ein Kopffüssler aussah, waren mir ihre Sticheleien egal. Sollte sie doch versuchen, es zum Laufen zu bewegen. Kurz darauf legte sich mein Alpaka hin und stellte sich tot. Die Frau zückte ihr Handy und rief verzweifelt die Hofmitarbeiterin an. Die erklärte dann, dass alles in Ordnung sei, dieses Verhalten kann vorkommen. Beruhigt lehnte die Frau sich über mein Alpaka, das ihr zum Dank direkt ins Gesicht spuckte.
Die Spritzer auf meinem Oberteil waren inzwischen getrocknet, wahrscheinlich durch die Strahlen meines breiten Grinsens. Leer und somit zufrieden stand das störrische Schaf auf Stelzen auf und lief zurück zum Hof.
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